Neuwerker Hof in Otzenrath-alt

 

Die Geschichte des Neuwerker Hofes reicht zurück bis in das Mittelalter. Nun findet diese Geschichte ein Ende im Abrissauftrag durch die RWE-Power!

Für 60 Jahre wurde der Hof, der einst ein Kloster war, von der Familie Lamberti/Brockerhoff  bewirtschaftet. Die Hofanlage an der Hofstraße 79 wurde, laut den Recherchen von Pfarrer Franz Rixen für sein Heimatbuch, im Jahre 1182/83 von Heinrich von Berche dem adeligen Benedektinerinnen-Kloster Neuwerk übertragen. Daher kommt auch der Name Neuwerker-Hof. Zeitweise wurde der Hof auch nach den ehemaligen Besitzern  "Stepprather" und "Denhovens Hof" benannt.

Es handelt sich bei dem Hof um einen sehr großen fränkischen Vierkanthof. Vor allem die Größe des Wohnhauses lässt Rückschlüsse auf den Status der Klosterhalfen, sowie deren spätere Eigentümer, zu. Der eng mit dem Geschichtskreis Otzenrath/Spenrath zusammenarbeitende Historiker Dr. Peter Staatz meint hierzu: " Hier residierte jemand, der zweifellos zu der Oberschicht Otzenraths gezählt werden musste."  Er meint, dass trotz der späteren Nutzungsänderung immer noch zu erkennen sei, wie eine solche zur Oberschicht gehörende Familie und ihr Gesinde in der Mitte des 18. Jahrhunderts gewohnt haben muss. Des weiteren lasse sich aus der Größe der Anlage die Bedeutung für die landwirtschaftliche Entwicklung ableiten. So meint Dr. Staatz: "Gerade die Wirtschaftsgebäude stellen ein wichtiges Zeugnis, das für die Veränderung der Landwirtschaft durch die fortschreitende Mechanisierung seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts steht."

Herr Josef Brockerhoff, ein Mitglied des Geschichtskreises Otzenrath/Spenrath erinnert sich: "Unser Hof hatte eine überdachte Fläche von 1500 Quadratmetern und die Innenhoffläche betrug 40 mal 60 Meter."  Er empfand auch die Lage des Hofes als besonders günstig, denn:" Unsere Ländereien lagen hofnah-wir brauchten nicht durch das Dorf zu fahren." Ganz in der Nähe liegt auch der Bahnhof, wo die Zuckerrüben verladen wurden. Viele Kopfweiden schützten den Hof früher von der Feldseite vor dem Sturm. Bis zuletzt war das Wegekreuz auf der Straßenecke das Synonym für den Neuwerker Hof. Dieses Wegekreuz wird auch in Neu-Otzenrath wieder aufgestellt und zwar ganz in der Nähe des neuen Wohnhauses der Familie Brockerhoff.

 

Seit 1879 hatte die Familie Denhoven den Besitz bearbeitet. 1931 wurde der Hof an den Textilfabrikanten  Eduard Dürselen verkauft. Ein Jahr später wurde er an Josef Lamberti und seine Ehefrau Anna verpachtet. Die Tochter der beiden war damals ein halbes Jahr alt. 25 Jahre später übernahmen das frisch verheiratete Ehepaar Josef und Therese Brockerhoff, Tochter und Schwiegersohn der Lambertis, den Neuwerker Hof für 35 Jahre bis 1992.

 

Im Sommer 2002 machte sich der Bürgerbeirat von Otzenrath/Spenrath dafür stark, daß der Abriss des Neuwerker Hofes noch herausgezögert werden solle, denn der Hof wurde noch gewerblich und als Wohnhaus genutzt. Rheinbraun kam diesem Wunsch nach. Doch im Januar 2005 gab es für den Hof keinen weiteren Aufschub.