In Alt Otzenrath 1969 gefundener Mammutzahn
aus der letzten Eiszeit wiederentdeckt und restauriert

 

Bereits 1969 gelang dem pensionierten Lehrer Josef Hützen im seit dem Jahr 2007 dem Erdboden gleich gemachten Alt-Otzenrath der wohl sensationellste, in jedem Fall jedoch älteste archäologische Fund in der - urkundlich verbürgt - seit dem 11. Jahrhundert währenden Ortsgeschichte. Bei Ausschachtungen für ein Wohnhaus am damaligen Stuppsweg, der späteren Fichtenstraße, stießen die Arbeiter in ca, 2,30 Metern Tiefe auf das Backenzahnfragment eines Mammuts, das der passionierte Hobby-Archäologe Hützen in Verwahrung nahm. Dass der Fund nicht verloren ging, ist Hubert Stessen vom Geschichtskreis der Dorfgemeinschaft Otzenrath-Spenrath zu danken: Nach dem Tod von Josef Hützen landeten die Reste des Mammutzahns nämlich wieder bei der Bauunternehmung Wirtz in Jackerath, die seinerzeit die Ausschachtungen vorgenommen hatte.

Der Mammutzahn im Zustand wie er 1969 gefunden wurde. Diese Abbildung aus dem Buch "Otzenrath" von Franz Rixen ermöglichte es das Zahnfragment zu restaurieren 

Gemeinsam machten sich Gert Behr und Hubert Stessen auf die Suche. Während ersterer Pech hatte, gelang es Stessen 2005, das fast schon verschollen geglaubte Fundstück in Jackerath doch noch ausfindig zu machen - freilich in deutlich schlechterem Zustand, als es 1969 gefunden wurde. „Da nach der Bergung keine Konservierung vorgenommen wurde, zerfiel das Stück im Laufe der Zeit in zahlreiche Fragmente“, erläutert Hubert Stessen. Die starke Austrocknung des zwischen 13 000 und 50 000 Jahre alten Mammutzahns hat den Zerfall verursacht. Eine genaue Datierung des Alters wäre nur durch eine aufwändige und kostenintensive Untersuchung zu klären. Die Idee, das Stück aus prähistorischer Zeit der Otzenrather Bevölkerung zugänglich zu machen, war bereits damals das Motiv für die beiden Mitglieder des Geschichtskreises Otzenrath-Spenrath, nach dem verschollenen Fundstück zu fahnden.

Der Zustand des Mammutzahns nach der Übernahme durch Hubert Stessen. Der Zahn war in einer Lebensmitteldose gelagert worden und in zahlreiche Fragmente zerfallen.

Einmal gefunden, galt es nun, es in einen präsentablen Zustand zu bringen. Nach vielen Gesprächen kam durch Hubert Stessen im August 2007 der Kontakt zu dem Archäologen Manfred Schlösser vom Museum für Naturkunde in Münster zustande. Bei einem Besuch in Otzenrath stellte Manfred Schlösser fest, dass sich der Mammutzahn in einem fast hoffnungslosen Zustand befand. Neben wenigen größeren und zudem sehr brüchigen Fragmenten lagen hunderte von kleinen und sehr kleinen Splittern vor. Dennoch versuchte Manfred Schlösser den Mammutzahn zu restaurieren,wenn auch die Chance auf einen Erfolg sehr gering war. Mit hohem zeitlichen Aufwand und viel Geduld hat der Experte das "3-D Puzzle" zusammengefügt. Normalerweise wird mit einem derart fragmentierten Stück kein so großer Aufwand betrieben und allzu oft landet ein solcher Fund im Mülleimer. Manfred Schlösser konnte den nahezu ursprünglichen Zustand des Zahnfragmentes wiederherstellen. Dass es sich gelohnt hat, steht angesichts einiger Besonderheiten des Funds für ihn außer Frage: Ganz und gar ungewöhnlich ist dem Wissenschaftler zufolge unter anderem, dass sich ein Fund dieses Alters über einen derart langen Zeitraum im Lößboden erhalten konnte.

Der Mammutzahn im Manfred Schlösser übergebenen Zustand.
Nr. 1 und 2: Ansichten der Dose mit den Fragmenten.
Nr. 3 zeigt die wenigen "größeren" Stücke.
Nr. 4 die nach dem Sieben verbliebenen Fragmente.
Zum Größenvergleich ist in Nr. 3 und 4 eine Centmünze abgebildet.

Das Endresultat des durch die falsche Lagerung entstandenen Zerfallsprozesses waren hunderte kleiner Zement-, Dentin- und Schmelzstückchen. Nur wenige größere Stücke blieben erhalten. Das Fragment entstammt dem linken Oberkiefer eines kleinwüchsigen Mammuts und zwar vermutlich von dessen drittem und zugleich letztem Backenzahn, wie eine erste Expertise ergeben hat.

 

Die Lage des Zahnfragmentes im ursprünglichen Backenzahn eines kleinwüchsigen Mammuts aus dem Löß der letzten Eiszeit gibt diese Abbildung wieder. Das Fragment stammt vom oberen linken, vermutlich dritten (letzten) Backenzahn. Rot gekennzeichnet ist das restaurierte Fragment.
Die erhaltene größte Zahnbreite des Fragmentes 
beträgt 79 mm, die Höhe beträgt 130 mm und die erhaltene Länge 53 mm.

 

Bei der Präsentation des Backenzahnfragmentes legte Manfred Schlösser großen Wert darauf, dass die Befundsituation - gemeint ist die ursprüngliche Lagerung des Zahnes im Lößsediment - deutlich zur Geltung kommt. Hierfür stellte er einen mit Originalsediment beschichteten Sockel her. Der Sockel gleicht einem großen Lößklumpen aus dem das Backenzahnfragment herausragt. Da es sich um den mittleren Teil des Zahnes handelt sind links und rechts im Sockel Abdrücke wiedergegeben, die die ursprüngliche Größe des Backenzahnes zeigen.

Die Präsentation umfasst neben dem Sockel mit dem restaurierten Zahnfragment auch eine Lamelle aus dem Zahninneren und Elfenbeinstückchen sowie einen Klumpen Löß aus dem am Fundstück haftenden Originalmaterial.
Abgerundet wird die Präsentation durch zahlreiche Abbildungen.

 

Hubert Stessen vom Geschichtskreis Otzenrath-Spenrath hat mit viel Geduld und vielen Gesprächen das Mammutzahnfragment als das älteste Zeugnis der Ortsgeschichte für die Nachwelt gerettet. 

Manfred Schlösser vom Naturkundemuseum Münster hat in beispielhafter Weise die Aufbereitung des eigentlich hoffnungslosen Fundes vorgenommen. Hier präsentiert er vor Mitgliedern des Geschichtskreises das herausragende Ergebnis seiner Arbeit.

Mit der Außenstelle Titz des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege haben Gert Behr und Hubert Stessen inzwischen geklärt, dass die Reste des Mammutszahns in Otzenrath verbleiben dürfen. Dort werden sie, am 9. und 10. Mai 2009, im Rahmen einer Ausstellung des Geschichtskreises, öffentlich vorgestellt werden.