Die evangelische Kirche
in Otzenrath

 

 

Die evangelische Kirche im alten Otzenrath musste, wie der gesamte Ort, dem Braunkohletagebau Garzweiler II weichen. 

Der Geschichtskreis Otzenrath-Spenrath will die Erinnerung an diese Kirche erhalten. In Bildern von Gert Behr werden die Besonderheiten, aber auch der Abriss der Kirche wiedergegeben. Die baugeschichtliche Entwicklung wird von Dr. Peter Staatz geschildert. Beide sind Mitglieder des Geschichtskreises Otzenrath-Spenrath.

 

 

 

Die Ursprünge der evangelischen Gemeinde in Otzenrath sind auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurückzuführen. Am 26. März 1525 erließ Herzog Johann III. von Jülich-Kleve-Berg eine Verordnung, in der er die Landdechanten aufforderte, die Ausbreitung der Lehre Luthers durch die Pastöre oder in den Kirchen zu verhindern. Am 11. Januar 1532 erließ er eine Kirchenordnung, mit der er Mißstände ausräumen wollte. Hierzu sollten durch herzogliche Beamte Erkundigungen (Visitationen) vorgenommen werden, „welche die religiösen und sittlichen Zustände in einzelnen Gemeinden untersuchen, die Glaubensrichtung und Bildung der Geistlichen überprüfen und an Ort und Stelle alle Mißstände beseitigen sollten.“ Die ersten Visitationen fanden 1533 statt. Sie führten zu dem Ergebnis, daß die Lehre der „Wassenberger Prädikanten, die man vor allem treffen wollte, sich noch nicht weit nach Osten ausgebreitet hatte.“ Im darauffolgenden Jahr 1534 beklagte sich der in der Otzenrather Kapelle tätige Vikar Gerhard Coenen über die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse, in denen er lebte, und ließ, wenngleich nur unterschwellig, von der katholischen Lehre abweichende Ansichten verlauten. Er betonte allerdings gleichzeitig auch, daß er keine Neuerungen einzuführen gedenke und sich an die von der Obrigkeit erteilten Weisungen halten wolle. 1548 wurde Coenen Pfarrer von Otzenrath. Zu dieser Zeit hatte er sich offensichtlich vollends der Lehre Luthers zugewandt, denn 1549 heißt es in einem Visitationsbericht, er habe die Messe verachtet und deutschen Psalmen- und Liedergesang eingeführt. Kurzzeitig inhaftiert, setzte Coenen seine Tätigkeit fort. Die Gläubigen waren mit seiner Lehre zufrieden.

 Nachfolger Coenens wurde 1557 Johannes Kersten (Christianus), der auch Otzenrath oder Borschemich genannt wurde. Dieser war einer „der bedeutendsten Reformatoren des Jülicher Landes“, der erheblichen Zulauf auch aus den umliegenden Orten hatte. Johannes Christianus, der möglicherweise schon 1549 Vikar in Otzenrath gewesen ist, blieb bis 1567.

 Sein Nachfolger, Peter Pedius, genannt von Titz, mußte 1571 oder 1572 vor der katholischen Gegenreformation fliehen. Die Kapelle, deren Besitz von den evangelischen Christen bei den vorangegangenen Pfarrerwechseln behauptet worden war, ging wieder in die Hände der Katholiken über. Die Reformierten, denen öffentliche Gottesdienste untersagt wurden, konnten diese nur heimlich feiern. So wurde auch die Otzenrather Gemeinde eine „heimliche Gemeinde“, eine „Gemeinde unter dem Kreuze“.

Auf die Zeit als "heimliche Gemeinde"  weist auch das Siegel der evangelischen Gemeinde Otzenrath hin. Das Siegel zeigt ein Schiff auf stürmischer See, von Wind und Wellen hin- und hergetrieben. Die Umschrift lautet:  SIGILLUM ECCLESIAE OTZENRADIENSIS  (Siegel der Kirchengemeinde Otzenrath)

Nachdem sich mit dem Westfälischen Frieden 1648 die religiösen Verhältnisse konsolidiert hatten, kauften die Otzenrather Reformierten 1661 von den „Eheleuten Glasmächer“ eine Scheune, die sie zum kirchlichen Versammlungsraum ausgestalteten.

1676 wurde die reformierte Gemeinde Otzenrath selbständig. Der eigenständigen reformierten Gemeinde fehlten die notwendigen Baulichkeiten. So fand der reformierte Gottesdienst weiterhin in der 1661 erworbenen Scheune statt, bis diese baufällig wurde und einzustürzen drohte. So wurde 1706 die erste Kirche der reformierten Gemeinde errichtet. Finanziert wurde der Bau „größtentheils aus freiwilligen Gaben der Glaubensbrüder in Holland, zusammenkollektiert von einem gewissen Gustorf.“ Gustorf und seinen Nachkommen wurde „auf ewige Zeiten“ ein Ehrenplatz in der Kirche eingeräumt. „Als dankbares Andenken an die Wohlthäter dient das Schiffchen als Wetterfahne auf dem Kirchendache.“ Am Michaelistage 1707 wurde die erste Predigt gehalten. Pfarrer der reformierten Gemeinde zur Zeit der Errichtung dieser ersten Kirche war Adolf Heymanns. 

RIXEN beschreibt die Kirche als schlichten, im niederrheinischen Barock errichteten Baukörper, der dem Geist der damaligen Zeit angepaßt war. „Das in Backsteinen, einem heimischen Material, ausgeführte Mauerwerk war weiß geschlemmt und trug auf der Stirnseite in eisernen Ankern die Jahreszahl 1706.“ Nach CLEMEN war die Kirche ein einschiffiger Saalbau mit geschweiftem Giebel. Im Inneren war sie mit einem hölzernen Tonnengewölbe überspannt. Allerdings waren die Otzenrather Reformierten an „Dienstleistungen“ der katholischen Kirche gebunden, denn ihrer Kirche fehlte ein Glockenturm. Erst 1766 erhielt die eigene Kirche einen Dachreiter.  

 Da nach der alten strengen Auffassung der Reformierten in der Kirche nur Gottes Wort gehört werden sollte, wurde auch kein Instrument hierin geduldet. So dauerte es bis 1834, bis die evangelische Kirche in Otzenrath mit einer Orgel ausgestattet wurde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Kirche in einem bedenklichen baulichen Zustand. Aus einem im Protokollbuch des Presbyteriums erhaltenen Protokoll vom 6. Dezember 1903 geht hervor, daß der Rheydter Architekt Maach in einem Gutachten dargelegt hatte, daß das Kirchendach schadhaft war und in vier bis sechs Jahren repariert werden müsse. Es wurde der Beschluß gefaßt, das Dach im Rahmen einer Reparatur der gesamten Kirche zu erneuern.

Die Eingangstüre der alten Kirche, zunächst nach 1910 Tür der Gaststätte Goebels, seit Frühjahr 2007 dekorativ im neuen evangelischen Gemeindehaus aufgestellt.

 In der Sitzung vom 25. März 1904 wurde beschlossen, die Reparatur noch um einige Jahre zu verschieben, da man die Gemeinde wegen des bevorstehenden Jubiläums (200jähriges Bestehen der Kirche von 1706) nicht mit Baukosten belasten wollte.

 In der Sitzung vom 11. Oktober 1905 wurde der Provinzialvikar Johannes Peter Hymmen zum Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Otzenrath gewählt. Am 16. März 1906 wurde beschlossen, die Zweihundertjahrfeier der Kirche festlich zu begehen. Diese Jubiläumsfeiern fanden am 29. Juni 1906 statt.

Doch bereits zuvor hatte am 10. Mai 1906 eine Besichtigung der Kirche durch den Leiter des Provinzialkirchlichen Bauamtes für die Rheinlande, Regierungsbaumeister Senz, stattgefunden. Dieser riet von einem Turmbauprojekt ab und schlug statt dessen vor, die Kirche durch einen Techniker aufnehmen und Kostenvoranschläge für eine Reparatur und für einen Neubau erstellen zu lassen.

Hinsichtlich eines Neubauprojekts heißt es in  dem Gutachten: „Wenn auch das Bauwerk in der Umgebung und im landschaftlichen Bilde ein ausserordentlich harmonisches und günstiges ist, so besitzt diese kleine Kirche doch nicht einen so erheblichen Wert vom kunsthistorischen Standpunkte, dass der Altertumsfreund verlangen müsste, dass das Bauwerk, so wie es jetzt ist, erhalten wird.

Unter diesem Gesichtspunkte wäre es wohl der Erwägung wert, ob man diese umfangreichen Reparaturen noch für die Kirche anwenden soll, und ob es nicht vielleicht ratsamer ist, die dazu benötigten Mittel zu sparen und nur eine notdürftige Herstellung des Bauwerks vorzunehmen, sodass dasselbe etwa noch 10 Jahre seinem jetzigen Zwecke dienen kann, und dass man dann nach Aufsammlung der notwendigen Mittel an einen Neubau denkt."

Am 3. März 1909 wurde in der Sitzung der größeren Gemeindevertretung eine Baukommission unter Vorsitz von Pfarrer Hymmen gebildet, der Heinr. Schopen, Gerh. Schrey, Ed. Bausch und Alb. Schopen angehörten. Während der Reparatur der Kirche sollten an den Sonntagen zwei Gottesdienste im Betsaal stattfinden. Dagegen sollten die Nachmittagsgottesdienste in dieser Zeit ausfallen. Am 28. März 1909 erklärte sich das Presbyterium mit dem Vertragsentwurf der Architekten Moritz und Stahl, die einen Plan für einen Umbau vorgelegt hatten, einverstanden.

War bis dahin offensichtlich nur eine Reparatur der Kirche vorgesehen, so heißt es im Protokoll der Presbyteriums-Sitzung vom 23. Mai 1909, daß beim Abbruch der Kirche ein sehr schlechter Zustand des Holzwerks, der Mauern und der Fundamente festgestellt wurde. Man kam zu der Ansicht, „daß eine Erhaltung und Reparatur untunlich ist“. Weiter hieß es, der Provinzialkonservator habe sich diesem Urteil angeschlossen und einem Neubau zugestimmt, aber auch gefordert, daß der Giebel der neuen Kirche die Formen der alten beihalten sollte.

Zwei Lageplänen, die der Architekt Stahl am 13. Juli 1909 vorlegte, ist zu entnehmen, daß der Neubau exakt auf dem Platz der alten Kirche errichtet werden sollte und völlig frei stehen würde, wenn man von der Südwest-Seite absieht, wo die Sakristei unmittelbar an das Nachbargrundstück angrenzte. Dem Erläuterungsbericht vom 13. Juli 1909 sind weitere Informationen zu entnehmen: So sollte das Fundament des Neubaus aus Schlackbeton hergestellt und mit einer Beton- und Asphaltschicht zum Schutz gegen aufsteigende Erdfeuchtigkeit versehen werden. Alle aufgehenden Mauern sollten aus gutem Ziegelmauerwerk bestehen, das auf den Außenseiten mit holländischen Klinkern verblendet werden sollte. Turm und Kirchendach sollten in Holz konstruiert werden und eine Schiefereindeckung erhalten. Die Treppe zur Empore sollte in Kunststein hergestellt und mit einem Eisengeländer versehen werden. Für den Fußboden war in den Sitzreihen ein Linoleum-, in den Gängen und im Chor ein Plattenbelag vorgesehen. Die Wände sollten verputzt und bemalt werden. Als Decke war eine gewölbte Holzdecke vorgesehen, die an der Dachkonstruktion aufgehangen werden sollte. Bereits am 30. Juli 1909 erteilte das Presbyterium den Auftrag für die Maurerarbeiten an Carl Schmidt aus Grevenbroich.

Am 15. Juni 1910 wurde die neue Kirche geweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Die „Wickrather Zeitung“ vom 15. Juni 1910 beschreibt die Kirche wie folgt: „Die Grundrißanlage entspricht im allgemeinen der früheren Kirchenform, da der Platz und die Lage auf eine ähnliche Lösung hinwiesen. Nur sind alle Maße größer und stattlicher mit Rücksicht auf die Zahl der Kirchenbesucher, die 350 Personen bemessen wurde. Ferner wurde eine Sakristei angebaut und der Front in Verbindung mit dem Giebel ein Turm angefügt. Die Kirche ist eine Saalkirche, ohne jede Stützen mit einer Empore über dem Eingang gegenüber der Kanzel. Die Form der Saalkirchen hat sich unbedingt für die kleineren protestantischen Kirchen bewährt, sowohl wegen ihrer guten räumlichen wie auch akustischen Wirkung.

Der Aufbau entwickelt sich organisch aus dem Grundriß. Der Kirchenraum erhielt eine gewölbte Holzdecke, die bemalt wurde und die den ganzen Raum weit und groß erscheinen läßt. Diese Holzdecke wird getragen von dem hohen Kirchendach, das mit Schiefer gedeckt ist. Der Altar ist um eine Stufe gegen den übrigen Kirchenraum erhöht; die Kanzel ist aus akustischen Rücksichten in eine Nische eingebaut, wodurch sich der in der Regel wenig schöne Schalldeckel erübrigte. Die Empore baut sich über dem Eingang vor und dient hauptsächlich zur Aufnahme des Kirchenchores und der Orgel. Der Turm enthält die Emporetreppen und in seinem oberen Teil das aus drei Glocken bestehende Geläute. Die Kirche ist mit elektrischem Licht und einer Zentralheizung, deren Kesselanlage sich unter der Sakristei befindet, versehen."

In der Kirche steht der Grabstein von Adolf Heymanns, der aus der alten Kirche überführt worden ist. Unter Adolf Heymanns , der von 1694 bis 1752 Pastor in Otzenrath war, wurde die 1. Kirche errichtet. Der Grabstein trägt die Inschrift: Hier liegt begraben der ehrwürdige, gottselige und hochgelehrte Herr Adolphus Heymanns, in seinem Leben gewesener treufleissiger Prediger zu Uzenrath 56 Jahre. Gestorben Anno ..., und dessen Hausfrau Katharina Margaretha Neuhaus starb im 74. Jahre ihres Alters Anno 1752, den 20. February, nachdem sie 54 Jahre in einer gewünschten Ehe gelebet haben.

Anno ... (Die Jahreszahl fehlt auf dem Grabstein. Pfarrer Heymans starb jedenfalls nach 1752. Das Jahr 1752 bezieht sich ausschließlich auf die Ehefrau Katharina Margaretha Neuhaus.)

Eine Luftaufnahme zeigt die Lage der beiden Kirchen in Otzenrath. Die evangelische Kirche bestimmte die Ansicht der Marktstraße.

Die evangelische Kirche an der Ecke Marktstraße und Jahnstraße mit der riesigen charakteristischen Blutbuche

Zu allen Jahreszeiten ein imponierender Anblick

 

Im 2. Weltkrieg blieb die evangelische Kirche in Otzenrath weitgehend von Schäden verschont. Erst als in der Endphase des Krieges am 27. Februar 1945 die Alliierten auf Otzenrath vorstießen und vereinzelte deutsche Truppen Widerstand leisteten, wurde der Ort und auch die evangelische Kirche durch Artillerie und Bombardements stark in Mitleidenschaft gezogen. An der Kirche war das Mauerwerk vor allen Dingen auf der Südost-Seite stark beschädigt, ferner die Dacheindeckung, Kirchendecke, Fenster, Türen und Ausstattung. Der Beschädigungsgrad wurde mit ca. 35 % angegeben.

 Aufgrund der Zerstörungen konnten in der Kirche zunächst keine Gottesdienste stattfinden. Die katholische Kirchengemeinde stellte den evangelischen Otzenrathern ihr Pfarrheim hierfür zur Verfügung. Die Kirche wurde zunächst entschuttet. Dabei wurden die noch wiederverwendungsfähigen Ausstattungsstücke sichergestellt. Bereits 1946 gelang es unter Vermittlung des Architekten Emil Baumanns aus Wevelinghoven, eine Baugenehmigung zur Wiederherstellung der Kirche zu erhalten. Im Sommer 1947 konnte Holz für das Dach beschafft werden. Am 1. September begann der Bauunternehmer Neuen aus Holz mit seinen Arbeiten an der Kirche. Am 6. September war das Dach durch den Dachdeckermeister Schläger aus Borschemich mit Teerpappe abgedeckt. Im Frühjahr 1948 wurden neue Fenster aus Buntglas, die der Otzenrather Anstreichermeister Säger in durch die Rheydter Firma Kölschen hergestellte Eisenrahmenkonstruktionen einsetzte, eingebaut. Eine neue Heizungsanlage wurde bis Juni 1948 fertiggestellt. Aufgrund finanzieller Probleme nach der Währungsreform entschlossen sich Presbyterium und Gemeinde, zunächst den Innenausbau voranzutreiben. So wurde eine neue Gewölbedecke aus Hartfaserplatten eingebaut, die Wände neu verputzt und gestrichen, das Hauptportal aus alten Reststücken erneuert, die Kanzel und das Presbytergestühl sowie das Holzwerk aufgearbeitet. Ferner wurden die Messingleuchter wiederhergestellt. Am 19. Dezember 1948 konnte der erste Gottesdienst in der renovierten Kirche stattfinden. Allerdings blieb auch nach der Wiedereinweihung der Kirche noch viel zu tun: Eine Orgel war noch nicht vorhanden, das Geläut blieb zunächst auf eine Glocke reduziert. Das Dach mußte noch verschiefert werden, Mauerwerk und Turm wiesen noch schwere Schäden auf, die beseitigt werden mußten. Das Gestühl mußte ebenfalls noch ergänzt werden, der Außenanstrich war noch nicht aufgetragen und auch die Einfriedungsmauer war noch zerstört.

1962 wurde die Kirche einer gründlichen Renovierung und Neugestaltung unterzogen. Dabei wurden die Kanzel, die Treppenanlage und die ganze Wandvertäfelung ausgebrochen. Sämtliche Kirchenbänke wurden ausgelagert.

Die Orgelbrüstung wurde außen mit Profilbrettern verkleidet, die Innenseite mit Kiefernsperrholz „glatt gemacht“. Die Gewölbedecke des Kirchenraums erhielt eine Verkleidung aus Pitschpine-Profilbrettern. Ebenso wurden die eisernen Stützen der Empore mit Pitschpine-Profilleisten umkleidet. Die Haupteingangstür wurde um 10 cm eingekürzt und dadurch wieder gangbar gemacht. Ferner wurde ein neuer Ölbrenner für die Heizungsanlage eingebaut. Spätestens 1964 wurden die alten Kirchenbänke durch 26 neue Kirchenbänke und zwei neue Vorderbänke ersetzt.


An der Nordostseite befindet sich das zweiflügelige Hauptportal mit darüberliegendem ornamental gestaltetem Tympanon. Drei Stufen führen zu ihm hinauf. Beiderseits des Hauptportals tritt das Mauerwerk deutlich aus der Bauflucht hervor und wendet sich in konkavem Verlauf  zum leicht aus der Bauflucht zurückversetzten Hauptportal hin. Über dem Hauptportal sind drei hochovale Fenster eingebaut. Das Portal mit seinen vorgezogenen gerundeten Seitenteilen soll die Gemeinde förmlich einladen und hereinziehen.

Die Chorfenster, mit den Darstellungen zum Abendmahl und zum Speisungswunder Jesu,
sind heute in die neue evangelische Kirche wiedereingebaut worden.

Die an der Kirche eingebauten Inschriften von 1910 (links) und 1706 (unten).

 

Am 30. Juli 1922 fand die feierliche Einweihung des vor der Kirche aufgestellten Denkmals für die Gefallenen des 1.Weltkriegs statt. Die Rückseite trug die Inschrift: „Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässet für seine Freunde. Wir sollen auch das Leben für die Brüder lassen. Den Beschützern unserer Heimat in Dankbarkeit die evangelische Gemeinde Otzenrath.“ Die Vorderseite nahm die Namen der 24 Gefallenen auf, darunter einer Krankenpflegerin. Das Denkmal wurde von Regierungsbaumeister Stahl entworfen und von dem Bildhauer C. Alfred Stumpp aus Düsseldorf in bayerischem Muschelkalk ausgeführt.


Der Jülicher Steinmetz-Meister Adam Creutz, legte am 25. November 1958 eine Rechnung für Arbeiten am Denkmal vor. Creutz hatte die Seitenflächen des Ehrenmals abgeschliffen, das Denkmal gekittet und gereinigt, 1176 Buchstaben in die abgeschliffenen Steine eingehauen und getönt und das Denkmal „an einem anderen Platz aufgestellt“. Ferner enthält die Rechnung einen Nachweis über 7 m bruchrauhe Solnhofener Platten. Im Rahmen dieser Arbeiten waren auch die Namen der gefallenen und vermißten Gemeindemitglieder des 2. Weltkriegs eingraviert worden.

 

 

Der letzte Gottesdienst in der Kirche am 1.Advent 2004. Bei diesem Gottesdienst wurden Bruchstücke des Bodenbelages verteilt, die bei der Einweihung der neuen Kirche zu einem Mosaik um den Taufbrunnen verarbeitet wurden.

Im Frühjahr 2005 wurden die Glocken aus dem Kirchturm entnommen.

.Aus einem Schreiben der Glocken-Gießerei Joh. Gg. Pfeifer in Kaiserslautern vom 11. Dezember 1909 geht hervor, daß diese drei Glocken für die evangelische Kirche anfertigte, nämlich eine g-, h- und a-Glocke. Die Inschriften der h- und a-Glocken sind in diesem Schreiben überliefert. Beide trugen die gleichlautende Inschrift: „Evangelische Gemeinde Otzenrath“, die h-Glocke zudem „Soli Deo Gloria“ und „Pfarrer Johannes Hymmen“, die a-Glocke zusätzlich „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ sowie „Kirchmeister Heinrich Schopen“.


In der Chronik „Notizen über Otzenrath“ heißt es, daß die katholische Kirche im August 1917 zwei ihrer Glocken abgeben mußte, „dagegen konnte die evangelische Gemeinde die ihrigen behalten, weil sie von Stahl gemacht sind.“

 Im 2. Weltkrieg mußte auch die evangelische Kirchengemeinde Otzenrath die beiden größten Glocken der Kirche abliefern. Die eine wog 538 kg, die andere 323 kg. Bei letzterer handelte es sich um die von Pfarrer Hymmen gestiftete. Nur die kleinste mit einem Gewicht von 170 kg verblieb bei der Gemeinde.

 


Aus einem Schreiben vom 10. Juli 1951, das Pfarrer Seven an die Glockengießerei Joh. Gg. Pfeifer richtete, geht hervor, daß die beiden im 2. Weltkrieg abgelieferten Glocken nicht nach Otzenrath zurückgekommen waren. 1952 erhielt die evangelische Kirchengemeinde aus einem bei Hamburg entdeckten Glockenlager zwei historische Glocken aus den früheren deutschen Ostgebieten. Die ältere stammt von der evangelischen Kirchengemeinde Belgard aus Pommern. Sie wiegt 329 kg und wurde 1609 gegossen. Die Inschrift auf dieser Glocke lautet: „OPTIMUS ORANDI MAGISTER NECESSITAS“.
 

Die zweite Glocke stammt von einer nicht näher genannten evangelischen Kirchengemeinde im schlesischen Kreis Bielitz. Diese ist 376 kg schwer und wurde 1778 gegossen. Der obere Rand der Glocke trägt die Inschrift „Gloria in excelsis Deo“, der untere die Inschrift „Me fecit Johann Georg Knobloch   Neo Solit Anno 1778“. Im Mittelfeld befinden sich vier umschriftete Ornamente mit den Inschriften:
1.   
„Aeterna Trinitatis Equalis Una Deitas“
2.   
„In Flo. Latuit Sub MI. PLA. P. / A. R. D. P. F. P. C. D. O.“
3.   
„S. JO ET PAU. S.  MARTI. O. P. N.“
4.   
„Eundes Ibant et Florant“

Die Glocken wurden am 23. März 1952 erstmals in Otzenrath geläutet. 1956 wurde das Geläut mit einer Glockenläuteanlage ausgestattet.

Die Glocken wurden in der Eifeler Glockengießerei August Mark in Brockscheid einer Restauration unterzogen. Eine Delegation aus Otzenrath konnte sich bei einem Besuch am 8.Juni 2005 über die Arbeiten informieren.

Der Inhalt des alten Grundsteins von 1910 ( Seiten der damaligen Tages-und Wochenzeitungen und das gebundene Protokoll der Gladbacher Kreissynode 1909/10 wurde im Sommer  2005 anläßlich der Grundsteinlegung für die neue Kirche,  ergänzt um eine Urkunde und  aktuelle Dolumente wiedereingefügt.

Frei steht die Kirche am 8. März 2007. Alle direkt angrenzenden Gebäude sind bereits abgerissen.

Am 9. März 2007 . Im Hintergrund wird bereits die katholische Kirche abgerissen.

Die Kirche aus der Ruine der Grundschule gesehen.

11. März 2007, die Nacht vor dem Abriss.

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Es war einmal . . .