Straßennamen in Otzenrath

Mancher Besucher des umgesiedelten Dorfes, aber auch viele neue Bewohner, werden sich beim Lesen des Straßenschildes fragen: Wer war Dechant Berger? Dazu hier Erklärungen und Berichte von Bürgern, die Dechant Berger erlebt haben.

 

Zeugen des Glaubens im Dritten Reich

Bericht von Josef Brockerhoff, 
Mitglied des Geschichtskreises Otzenrath-Spenrath

Zahlreiche interessierte Bürger aus der Gemeinde Jüchen trafen sich am 14.°Januar°2005 im Haus Katz. Anlass war die Eröffnung der Ausstellung: "Märtyrer des Jahrhunderts. Verfolgte Priester der Kirchen im Dritten Reich". 

Prälat Dr. Helmut Moll, als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, hat das deutsche Märtyrologium des 20.  Jahrhunderts herausgegeben. In diesen beiden Büchern werden 700 Lebensbilder, Leidenswege von Priestern, vorgestellt, die im Dritten Reich Zeugnis für den christlichen Glauben durch ihren Tod abgelegt haben. Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Kirchen sind in diesen Nachforschungen mit einbezogen. 

Zu diesen Märtyrern gehört auch der damalige Pfarrer Hubert Berger aus Otzenrath. So wie  ihn brachte man viele Priester und Ordensleute von 1933 bis 1945 ins KZ nach Dachau.

Pfarrer Hubert Berger wurde am 6. Oktober 1889 in Fürth, Kreis Olpe, im Bergischen Land geboren.

Weihedaten:
- Diakonat 27. Februar 1915
- Priesterweihe 24. Juni 1915 in Köln.

1915 ging er als Kaplan an St. Marien nach Rheydt
Ab 1924 war er Kaplan an St. Marien in Aachen.
Ab 20. September 1931 Pfarrer in Otzenrath.

Am 22. September 1941 wurde er von der Gestapo wegen angeblichem Kanzelmißbrauch verhört. 
Man warf ihm Widerspruch zum Nationalsozialismus vor. 

Er wurde vom 22. September bis 16. Dezember 1941 im Polizeigefängnis in Düsseldorf in Haft genommen.  Ohne Gerichtsverhandlung und ohne Urteil wurde er  am 16. Dezember  in das KZ Dachau überführt.

Mit dem Einrücken amerikanischer Truppen in Dachau wurde er am 4. April 1945 aus dem KZ Dachau entlassen. Nach kurzer Erholung feierte er am 17. Juni mit seiner Pfarre wieder ein feierliches Hochamt.

Am 15. September 1947 wurde Pfarrer Berger zum Dechanten des Dekanates Hochneukirch bestellt.

Pfarrer Hubert Berger war  sehr bescheiden und zurückhaltend. Er war stets besorgt und bemüht, der Gemeinde zu dienen. Zurückgekehrt aus dem KZ Dachau hatte er nur ein gütiges Verzeihen denen gegenüber, die ihm bitteres Unrecht angetan hatten. Er hat es abgelehnt, gegen seine Verleumder vorzugehen.

Der Aufenthalt im KZ Dachau hatte seine Gesundheit mehr untergraben als man zunächst vermutete. Nach kurzer schwerer Krankheit verschied er am 30. November 1948.

Seine letzte Ruhestätte fand er in der Priestergruft des Pfarrfriedhofes.

Die Nachricht der Verhaftung von Pfarrer Berger durch die Gestapo löste im Dorf großen Schrecken und Mitgefühl aus. Natürlich stellte man sich die Frage: "Wieso, warum, was hat er denn getan? Wer macht so was? " In dieser schlimmen Zeit gab es überall Spitzel. Oft hörte man den Satz: "Hinter Ihnen geht einer, hinter Ihnen steht einer, drehen Sie sich nicht um".

Niemand war nun in der Lage etwas für ihn zu tun. Ja, wo der Mensch mit seinem Latein am Ende, da kann man nur beten und hoffen.

Einige Zeitzeugen, aus diesen schlimmen Jahren, kamen zu der Märtyrerausstellung im Haus Katz.
In den Gesprächen wurden dann Erinnerungen wach aus längst vergangenen bösen Zeiten.

Da war Hubert Stessen, geboren 1926. Er wohnte damals schräg gegenüber dem Pfarrhaus. Als Nachbar und Messdiener hatte er engen Kontakt zum Pfarrer Berger. Bei so vielen Anliegen und Botengängen, die er für Hubert Stessen hatte, klopfte der Pfarrer dort an. So bat er auch oft bei plötzlichem Versehgang um Begleitung. Als Messdiener hatte Hubert Stessen dann die Aufgabe, auf dem Weg dorthin ein Glöckchen zu läuten. So wurden die Dorfbewohner darauf aufmerksam gemacht, dass es jemandem nicht gut ging.

Nach seiner Verhaftung bildete sich eine Betgruppe. Anna, die Schwester von Pfarrer Berger mit Josefine Leuffen, Anna  Schnödewind, Sybille Breuer und Maria Schüller sowie auch einige Schulkinder, noch in Erinnerung: Fia Effertz und Therese Brockerhoff-Lamberti. Sie fuhren oft mit dem Zug nach Mönchengladbach, um dort an einem geheimen Ort, in einem Park an einer Grotte, für den Pfarrer zu beten.

Anni Reinders, geb. Biesen, und Käthe Reinartz, erinnern sich an eine Betgruppe von Frauen und Kindern, die jeden Nachmittag um 15:00 Uhr in der Kirche einen Rosenkranz gebetet haben.

Therese Brockerhoff, geb. Lamberti erinnert sich: Aus Angst vor  jeder Bespitzelung traute man sich nicht, im Pfarrhaus täglich Milch abzugeben. So wurde sie als Kind losgeschickt. Sie durfte die Mlch aber nicht an der Tür des Pfarrhauses abgeben, sondern brachte sie zu Leuffen. Von Leuffen aus gab man dann die Milch über einen Hintereingang ins Pfarrhaus weiter.